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Schlossgeschichte


Das Schloss in Aurich

Ein "Neubau" auf historischem Fundament

Das Schloss in Aurich steht auf den Grundmauern der 1448 vom damaligen ostfriesischen Grafen Ulrich I. erbauten Burg


Hier sehen Sie eine Zusammenstellung von Bildern rund um das Schloss in Aurich.

Das Landgericht hat seinen Sitz im Schlossgebäude und teilt sich die Räumlichkeiten mit der Oberfinanzdirektion Niedersachsen - Landesweite Bezüge-und Versorgungsstelle, vormals das NLBV ( OFD-LBV)

Das Schloss in Aurich - Sitz des Landgerichts  
Das Schloss in Aurich - Sitz des Landgerichts
Das Schloss in Aurich - Südwestansicht  
Das Schloss in Aurich - Südwestansicht
Das Schloss in Aurich - "Das Schlösschen"  
Das Schloss in Aurich - "Das Schlösschen"
Das Schloss in Aurich - Der Marstall  
Das Schloss in Aurich - Der Marstall
Das Schloss in Aurich - Blick vom Schlossgarten zum Marstall  
Das Schloss in Aurich - Blick vom Schlossgarten zum Marstall
Das Schloss in Aurich - Der Marstall  
Das Schloss in Aurich - Der Marstall

Von Christine Schneider-Berents

AURICH. Die aus dem Brookmerland stammende Häuptlingsfamilie tom Brok, der Häuptling des Moormerlandes, Fokko Ukena, das Grafen- und Fürstengeschlecht Cirksena und der spätere König Georg V. von Hannover haben ostfriesische Geschichte geschrieben. Ihr Denken und Handeln, ihre Machtkämpfe und Friedensbündnisse haben die Entwicklung dieser Region im Norden stark beeinflusst. Ihre Namen sind aber auch ganz eng mit dem Geschick einzelner Orte verbunden. Aurich ist dafür ein Beispiel. In der einstigen Residenz- und Regierungsstadt sind bis heute einige der bedeutensten Bauwerke Ostfrieslands erhalten geblieben. Dazu zählt das Schloss.

König Georg V. von Hannover war es, der in den Jahren 1851 bis 1855 auf den Grundmauern der 1448 von dem ostfriesischen Grafen Ulrich Cirksena erbauten Burg das respektable Schloss errichten ließ. Das alte Bauwerk musste aufgrund seiner maroden Substanz fast vollständig abgebrochen werden. Ursprünglich sollte die Burg nur durch eine größere Reparatur wieder instand gesetzt werden. Aber schon nach den ersten Arbeiten signalisierte der damals mit der Bauleitung beauftragte Landesinspektor der für die Finanzverwaltung zuständigen Königlichen Domänenkammer Hannover, dass man um einen Teilabbruch der alten Burg nicht herumkommen wird. Die Errichtung des Schlosses erfolgte in sechs teilweise parallel verlaufenden Bauabschnitten, dauerte ungefähr fünf Jahre und kostete rund 60 000 Reichstaler.

Als 1866 die Existenz des Königreiches Hannover aufhörte, wurde Ostfriesland wieder preußisch. Das Wort "Regierung" ersetzte die Bezeichnung "Landdrostei". Aurich wurde Regierungshauptstadt. Im Schloss waren bis 1885 unter anderem das Amtsgericht und das Konsistorium, die oberste Verwaltungsbehörde der evangelischen Landeskirche, untergebracht. Später mussten aufgrund der Einrichtung von Regierungsbezirken und Kreisen in der Provinz Hannover neue Einrichtungen geschaffen werden. Das Schloss wurde Amtssitz preußischer Regierungspräsidenten. Ab Oktober 1879 befanden sich in den altehrwürdigen Mauern auch das Landgericht und die Staatsanwaltschaft.

Sehr viel später, als Aurich zum 1. Februar 1978 durch die niedersächsische Gemeinde- und Gebietsreform seine Hauptstadtfunktion verlor, ging der Regierungsbezirk Aurich in den Regierungsbezirk Oldenburg über. Seitdem beherbergt das Hauptgebäude des Schlosses das Landgericht und das niedersächsische Landesamt für Bezüge und Versorgung. Deren Räume versprühen den funktionellen Charme der 70er Jahre und lassen nur noch wenig erahnen von der einstigen Pracht dieses Hauses. Auch von den drei Gräben und dem Wall, die das Schloss einst umgaben, sind nur noch Reste vorhanden.

Was die Burg- und Schlossgeschichte Aurichs anbelangt, so gilt als sicher, dass die älteste Anlage auf dem Grundstück des heutigen Hotels "Pikeurhof" gestanden haben muss. Es handelte sich um einen mehrgeschossigen Wohnturm aus Backstein in Form der noch heute erhaltenen Harderwykenburg in Leer oder des Steinhauses in Bunderhee. Die aus dem Brookmerland stammende Familie tom Brok ließ die "Nieburg" in Aurich errichten. Als einer ihrer Häuptlinge, Okko II. tom Brok ,im Oktober 1427 in der Schlacht auf den "Wilden Äckern" bei Marienhafe von seinem Widersacher Fokko Ukena geschlagen wurde, endete die Herrschaft der tom Brok. Das Steinhaus in Aurich wurde fortan von Fokko Ukenas Sohn Udo und dessen Frau Hima Itzinga aus Norden bewohnt.

Wenige Jahre später änderten sich erneut die Machtverhältnisse in Ostfriesland. Nach den Ukenas waren es die Cirksenas, die sich in Aurich niederließen. Diese aus dem Norderland stammende und in Greetsiel und Emden residierende Häuptlingsfamilie erlangte mit ihrem Spross Ulrich I. im Jahre 1464 die Grafenwürde. Auf dem ehemaligen Pferdemarktgelände, das der alten tom Brokschen Burg gegenüberlag, ließ Ulrich I. Cirksena 1448 die so genannte "Averborg" errichten. Dabei handelte es sich um eine mit vier Türmen bewehrte Wasserburg. Gegen feindliche Angriffe war die Vierflügelanlage durch drei Gräben und einen hohen Wall geschützt.

Zunächst diente die Cirksena-Burg lediglich Wohn- und Repräsentationszwecken. Es war Graf Edzard II. aus dem Hause Cirksena, verheiratet mit Katharina von Schweden, Tochter des Königs Gustav Wasa, der Aurich 1561 zu seiner ständigen Residenz machte. Damit begann für die Stadt die Zeit als zentraler Behörden- und Verwaltungssitz.

Im Jahre 1568 fiel die Cirksena-Burg einem Brand zum Opfer. Sie wurde im Renaissancestil wieder aufgebaut, allerdings nur mit zwei Türmen. Auch in den folgenden Jahrhunderten erfuhr die Residenz, dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst, bauliche Veränderungen.

Manchmal waren aber auch die alten Gebäude einfach nicht mehr sanierungsfähig und mussten Neubauten weichen. Im Auftrag des ostfriesischen Fürsten Georg Albrecht Cirksena wurde die Alte Kanzlei abgebrochen. An ihrer Stelle ließ er in den Jahren 1730 bis 1732 ein neues Kanzleigebäude errichten. Im Obergeschoss waren Behörden und ein Archiv untergebracht. Im Erdgeschoss richtete man den Marstall (Pferdestall) und die Wagenremise ein.

Das barocke Bauwerk hat alle Wirren der Zeit überdauert. Das Untergeschoss mit seinen Tudorbögen ist noch heute ein beliebtes Motiv für Fotografen. Gleiches gilt für das schmiedeeiserne Geländer, das die Initialen des Fürsten Georg Albrecht ziert. In preußischer Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war in dem Gebäude eine Kaserne untergebracht, später war es viele Jahre eine Mietskaserne und danach wurde es wieder als Behördenhaus eingerichtet. Das ist es noch heute.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Christine Schneider-Berents, General-Anzeiger

© 2002 ga-online Verlagsgruppe General-Anzeiger

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